Alle Tagesimpulse

LVHS Freckenhorst - Ihr Lern- und Begegnungsort im Grünen in Trägerschaft des Bistums Münster

Rückblick

Impuls der Woche 28.02.2021 - 06.03.2021

 

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

 

 

Schauen wir auf das MISEREOR-Hungertuch von Lilian Moreno Sánchez „Du stellst meine Füße auf weiten Raum – Die Kraft des Wandels“. Die Künstlerin ist in Chile geboren und lebt seit 1996 in Deutschland. Das Tuch besteht aus drei Teilen (Triptychon). Schwarze Linien zeichnen das Röntgenbild eines Fußes, der mehrfach gebrochen ist. Der Fuß gehört zu einem Menschen, der bei einer Demonstration in Santiago de Chile durch die Polizei schwer verwundet worden ist. Seit Oktober 2019 protestieren dort auf dem „Platz der Würde“ viele Menschen gegen ungerechte Verhältnisse. Tausende Demonstranten wurden durch die Staatsgewalt brutal geschlagen und verhaftet. Dieser Fuß mit den sichtbaren Verletzungen steht stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen gebrochen und zertreten werden.

Moreno Sánchez hat ein Hungertuch mit wenigen Farben gestaltet und eine ungewöhnliche Grundlage verwendet: Es ist auf dreierlei Bettwäsche aus einem Krankenhaus und einem bayerischen Frauenkloster gemalt. Damit macht die Künstlerin deutlich: es kommt auf die körperlichen und die seelisch-spirituellen Gesichtspunkte von Krankheit und Heilung an. Auf dem „Platz der Würde“ hat sie Staub eingesammelt und in die Laken gerieben. Der Stoff ist nicht glatt und makellos, graue Flecken und Falten überziehen ihn. Er ist vielfach übereinander gelegt, an Schnittmuster erinnernd, auseinander klaffend wie verletzte Haut und mit goldenem Zickzack wieder zusammengenäht, um Heilung zu ermöglichen.

Die schwarzen Linien des Röntgenbildes, die verwendeten Materialien Zeichen-Kohle, Staub und Leinöl, die karge Bildsprache verweisen auf das Sterben Christi und das Leiden der Menschen; dagegen stehen Gold und Blumen für Hoffnung und Liebe. Die Blumen aus Blattgold greifen das Muster der Kloster-Bettwäsche auf. Während das Röntgenbild die ganze Härte des Schmerzes zeigt, symbolisieren sie Kraft und Schönheit des neu erblühenden Lebens. Die Linien vermitteln neben aller Schwere auch ein Gefühl von Leichtigkeit. Sie scheinen zu tanzen: Leben ist ein Prozess, der weitergeht – auch mit verwundeten und gehemmten Füßen vertrauen wir auf die Kraft der Solidarität.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ – dieser Vers aus dem alten Psalm 31(6.Jahrhundert vor Christus) steht als Titel über dem Hungertuch. Er beschreibt, was im Glauben alles möglich ist. Das Bild des Fußes lässt uns an Aufbruch, Bewegung und Wandel denken; das Bild des „weiten Raumes“ lässt uns aufatmen, wenn die Füße schwach werden.

 


Gebet


Gott, du begleitest uns auf dem Weg des Wandels

und willst uns erneuern.

Mit allen Sinnen erfahren wir die Welt.

Die Kraft deines Geistes schenkt uns Ideen, wie

wir die Welt so gestalten können, dass deine

Schöpfungskraft in ihr zum Ausdruck kommt.

Lass uns unsere Ohren öffnen, dass wir erkennen,

wo du uns rufst.

Lass uns unsere Augen hinwenden zu dem, was

du uns zeigen willst, und unsere Hände gebrauchen

zum rechten Handeln.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren

Bruder und Herrn.


(Text und Gebet aus den Arbeitsmaterialien Misereor)

 

Alle Impulse im Rückblick

Impuls der Woche 21.02.2021 - 27.02.2021

 

Die Führungskraft

 

Der die Verantwortung übernimmt –

übernimmt er sich nicht?

der die Richtung bestimmt –

weiß er, ob sie stimmt?

Der das Sagen hat –

hat er auch etwas zu sagen?

Der im Vordergrund steht –

kennt er auch die Hintergründe?

Der den Ton angibt –

kann er wenigstens singen?

der anderen befiehlt –

kann er selber gehorchen?

Der die Verantwortung übernimmt,

über nimmt er sich nicht?

aus: Lothar Zenetti: in seiner Nähe, Texte des Vertrauens, Mainz 2002

 

Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat. (Markus 9,33-37)


Das ist eine starke Führungskraft!

Impuls der Woche 14.02.2021 - 20.02.2021

 

Jenseits von Eden

Auch in der Pandemie denke ich an die Kinder in den Flüchtlingslagern. Ich denke an die Kinder, die unter häuslicher Gewalt leiden. Ich denke an die Kinder, die unter dem sexuellen Missbrauch in der Kirche gelitten haben. Ich denke an die Kinder, die nicht ausreichend zu essen haben und nicht geborgen leben können:


Jenseits von Eden, Drafi Deutscher  Songtext

Wenn selbst ein Kind nicht mehr lacht wie ein Kind
Dann sind wir jenseits von Eden
Wenn wir nicht fühlen, die Erde sie weint
Wie kein and'rer Planet
Dan haben wir umsonst gelebt
Wenn eine Träne nur Wasser noch ist
Dann sind wir jenseits von Eden
Wenn man für liebe bezahlen muss
nur um einmal zärtlich zu sein
Dann haben wir umsonst gelebt
Lass uns jeden Tag
Das Leben endlos spüren
Und uns niemals unsere Ehrlichkeit verlieren
Wenn uns gar nichts mehr zusammen hält
Verlöscht vielleicht das letzte Licht der Welt
Wenn selbst ein Kind nicht mehr lacht wie ein Kind
Dann sind wir jenseits von Eden
Wenn wir nicht fühlen, die Erde sie weint
Wie kein and'rer Planet

Wenn unser Glaube nicht mehr siegen kann
Dann sind wir jenseits von Eden
Wenn jede Hoffnung nur ein Horizont ist
Den man niemals erreicht
Dan haben wir umsonst gelebt
Ich will mit dir eine neue liebe spür'n
Wenn wir uns auch in Gedanken nur berühr'n
Irgendwann muss ich für immer geh'n
Dann will ich sagen
Diese Welt war schön
Wenn selbst ein Kind nicht mehr lacht wie ein Kind
Dann sind wir jenseits von Eden
Wenn wir nicht fühlen, die Erde sie weint
Wie kein and'rer planet
Dan haben wir umsonst gelebt
Wenn eine Träne nur Wasser noch ist
Dann sind wir jenseits von Eden
Wenn man für liebe bezahlen muss
nur um einmal zärtlich zu sein
Dann haben wir umsonst gelebt

Writer(s): HORN BERNGES HANS JOACHIM, EVANS IRONSIDE CHRIS J, GEBEGERN KURT Lyrics powered by www.musixmatch.com


Für den bewässerten Garten, wie Jeremia ihn prophezeit, lohnt es sich zu leben!

Jeremia 31,10-13.31-34

Der Israel zerstreut hat, wird es sammeln / und hüten wie ein Hirt seine Herde! Denn der HERR hat Jakob losgekauft / und ihn erlöst aus der Hand des Stärkeren. Sie kommen und jubeln auf Zions Höhe, / sie strahlen vor Freude über die Wohltaten des HERRN, / über Korn, Wein und Öl, über Lämmer und Rinder. Sie werden wie ein bewässerter Garten sein / und nie mehr verschmachten. Dann freut sich die Jungfrau beim Reigentanz, / ebenso Junge und Alte zusammen. …… Siehe, Tage kommen - Spruch des HERRN -, da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund. Er ist nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war - Spruch des HERRN. Sondern so wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des HERRN: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen Gott sein und sie werden mir Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den HERRN!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen

Impuls der Woche 07.02.2021 - 13.02.2021

 

Lichtmess


An Lichtmess werden die Tage spürbar länger: Mehr Tageslicht, das Licht ist stärker als die Nacht. Die Sonne wird mehr den Tag und das Leben bestimmen. Über Enkelkinder sagen Großeltern häufig, das ist unser Sonnenschein. Wen wundert es, das der Festtag, Darstellung des Herrn, im Mund des Volkes den Namen Lichtmess trägt:

„Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war. Als sich für sie die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen, wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, /dass du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

Zwei alte und weise Menschen haben ihren Sonnenschein in ihrer Mitte, und Simon singt ein Lied und Hanna gibt ihrer prophetischen Stimme weiten Raum, und viele haben teil an dieser Botschaft.

Wir brauchen Beter und Prophetinnen, die den Sonnenschein in die Welt tragen, damit die Sonne über jedem Kinder dieser Erde aufgeht und scheinen kann.

Impuls der Woche 31.01.2021 bis 06.02.2021

Propheten für ein Morgen

Das Volk Israel ist fast am Ziel ihrer Wanderung. Das gelobte Land. Doch wie der Text aus Deuteronomium zeigt, sind auch Menschen aus dem Volk Israel anfällig für Fakenews. Warum sonst sollte hier diese Erzählung warnen vor Losorakeln und Gebetsbeschwörungen. Lesen sie selbst:

Wenn du in das Land hineinziehst, das der HERR, dein Gott, dir gibt, sollst du nicht lernen, die Gräuel dieser Völker nachzuahmen. Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem HERRN ein Gräuel. Wegen dieser Gräuel rottet sie der HERR, dein Gott, aus. Du sollst ganz und gar bei dem HERRN, deinem Gott, bleiben. Denn diese Völker, deren Besitz du übernimmst, hören auf Wolkendeuter und Orakelleser. Für dich aber hat der HERR, dein Gott, es anders bestimmt. Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. Der HERR wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, den HERRN, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des HERRN, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe. Damals sagte der HERR zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht. Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm gebiete. (Deuteronomium 18,9-18)


Es ist fast eine moderne Geschichte, wenn ich mir die Geschichte der USA von Wahl bis zur Einführung des neuen Präsidenten betrachte.

Es ist gut ausgegangen. Doch es wird noch viel Fleiß, Aufrichtigkeit und Zeit brauchen, bis Heilung an Leib und Seele, Heilung am Zusammenleben spürbar wird.

Ich möchte nicht nur nach Amerika schauen. Es geht in jedem Land und an jedem Ort dieser Welt darum, zu klären, aus welchen Werten wir leben und mit welcher Haltung wir alles einzubringen für das Miteinander.

Es gibt immer Licht:

„Wenn der Tag kommt, treten wir aus dem Schatten heraus,
entflammt und ohne Angst.
Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien.
Denn es gibt immer Licht,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.“


Amanda Gorman, 20.01.2021

Impuls der Woche 24.01.2021 bis 30.01.2021

Sie finden das, wofür es sich zu leben lohnt


Diese Berufungsgeschichte wird in den ersten Zeilen des Markusevangeliums erzählt. Damit geht es los:


Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach. (Markus 1,14-20)


Es sind berufserfahrene Fischer. Warum noch einmal aufbrechen? Da ist eine Inspiration, die sie in den Bann zieht; sie finden, wonach sie suchten: die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Sie werden sich aufmachen ohne schon alles zu wissen. Im Laufe der Nachfolge merken sie, wofür sie leben dürfen: die Treue Gottes gilt allen Menschen. Sie lernen zu glauben! Mit Gott im Bunde werden sie die Kraft und die Hoffnung haben, für das Zusammenleben in aller Vielfalt und mit aller Einzigartigkeit einzustehen.


So einen Moment im Leben können wir auch Gnade nennen!



Amazing Grace

Amazing grace, How sweet the sound
That saved a wretch like me.
I once was lost, but now I am found,
Was blind, but now I see.

'Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears relieved.
How precious did that grace appear
The hour I first believed.

Through many dangers, toils and snares
I have already come,
'Tis grace has brought me safe thus far
And grace will lead me home.

The Lord has promised good to me
His word my hope secures;
He will my shield and portion be,
As long as life endures.

Yea, when this flesh and heart shall fail,
And mortal life shall cease
I shall possess within the veil,
A life of joy and peace.

When we've been there ten thousand years
Bright shining as the sun,
We've no less days to sing God's praise
Than when we've first begun.


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Impuls der Woche 17.01.2021 bis 23.01.2021

Berufung in jedem Menschen


Samuel 3,3—10.19

Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: Hier bin ich. Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! Samuel kannte den Herrn noch nicht und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. ….. Samuel wuchs heran und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten unerfüllt.


Es ist die Suche eines jungen Menschen, der auf seine innere Stimme hört, sie aber nicht zu deuten weiß. Samuel tauscht sich mit Eli aus, was sein inneres Gespür wohl zu bedeuten habe. Das kennt jeder und jede: bevor ich mich für einen Beruf entscheide, werde ich mich mit anderen darüber ausgetauscht haben. Die Intuition muss eins werden mit meiner Persönlichkeit. Noch mehr: Samuel stellt sein Leben in einen größeren Kontext: gesellschaftlich nennen den größeren Kontext das Gemeinwohl. Ich lebe mit anderen, um gemeinschaftliche und sichere Lebensräume zu entwickeln. Viele junge Menschen fragen heute danach: wie können wir leben, damit die Erde auch weiterhin ihre Lebensräume für das Leben der Menschen und der Geschöpfe bereitstellen kann? Was bedeutet Lebensqualität? Die Antwort vieler junger Menschen lautet: sie wollen im Gleichgewicht mit den Ressourcen der Erde leben!

 

Wir beten für den Frieden,

wir beten für die Welt,

wir beten für die Müden,

die keine Hoffnung hält,

wir beten für die Leisen,

für die kein Wort sich regt,

die Wahrheit wird erweisen,

dass Gottes Hand sie trägt.

 

Wir hoffen für das Leben,

wir hoffen für die Zeit,

für die, die nicht erleben,

dass Menschlichkeit befreit.

Wir hoffen für die Zarten,

für die mit dünner Haut,

dass sie mit uns erwarten,

wie Gott sie unterbaut.

 

Wir singen für die Liebe,

wir singen für den Mut,

damit auch wir uns üben

und unsre Hand auch tut,

was das Gewissen spiegelt,

was der Verstand uns sagt,

dass unser Wort besiegelt,

was Gott für uns gewagt.

Wir beten für die Menschen

 

Wir beten für Kinder, Männer und Frauen,

dass sie niemals verlieren das Vertrauen.

Wir bitten dich um Hilfe und Kraft

für die, die Frieden geben

Wir bitten dich um Mut

für die, die Versöhnung wagen.

 

Nun nimm Gott unser Singen

in deine gute Hut

und füge, was wir bringen,

zu Hoffnung und zu Mut.

Wir beten für Vertrauen,

wir hoffen für den Sinn.

Hilf uns die Welt zu bauen,

zu deinem Reiche hin.

Text nach Peter Spangenberg in: Suche Frieden und jage nach ihm.

Impuls der Woche 10.01.2021 - 16.01.2021

Taufe des Herrn


Gebet

Herr, gib mir heute einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Gib mir das Staunen eines Kindes,

das in jedem Ding deinen Glanz entdeckt,

einen Abglanz deiner Herrlichkeit in allem,

was ihm entgegentritt.

Gib mir die Freude dessen, der seine ersten Schritte macht.

Gib mir das Glück dessen, für den das Leben täglich neu ist,

unbelastet und voller Erwartung.

Gib mir, dass ich alle Dinge in Christus sehe.

Mein Gott, mache aus mir einen dankbaren Menschen.

Amen.

 

Schriftlesung


Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, / was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen / und könnt euch laben an fetten Speisen. Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies. Seht her: Ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. (Jesaja 55,1-4)

Was ist das eine schöne Grundlage für unser Christ sein! Mit der Taufe stehen wir für einen Glauben und ein Menschenbild, das mit Geld nicht zu bezahlen ist. Wir merken, was uns trägt: der Zusammenhalt. Wir spüren, Wohlstand und Wohlergehen sind mehr als Geld und Eigentum: Sicherheit, Freude an der Schöpfung und unsere Zukunft in und mit ihr, Solidarität und getragen werden in allem, was kommt. Es ist ein anderes Lied, als uns aus den schrecklichen Ereignissen in Washington entgegenkommen. Zu lange hat einer ein Lied der Zerstreuung in den Mund genommen. Das erste, was zählt: Lebensraum für alle, unterschiedlicher Herkunft und Nation.

Was Jesaja anstimmt, ist ein frohes Lied für das Jahr 2021, ein Lied der Hoffnung für Ihr Leben, für jedes Leben!

 

Glaubensbekenntnis


Ich glaube an Gott, der Musik ist und Klang,

der sein Lied summt und singt in allem, was lebt.

Ich glaube an Jesus Christus,

in dem Gott sein Liebeslied auf wunderbare Weise

in dieser Welt anstimmt und singen konnte.

Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Liebeslied

sanft und zart, kraftvoll und feurig in dieser Welt gesungen hat.

Ich glaube an Jesus Christus,

durch den alle Töne zur Melodie werden,

der uns einlädt, mit einzustimmen in sein Lied

für Gott und die Menschen,

in das Liebeslied des Lebens,

in das Lied von Tod und Auferstehung.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

der unser Gehör schärft und hilft,

den richtigen Ton zu treffen,

dessen zarte Melodie uns einlädt,

in seinen Rhythmus einzuschwingen.

Ich glaube, dass Gott durch ihn sein Lied in uns weiter singen will.

 

 

Fürbitte für das Jahr


Ich bitte dich um ein gesegnetes Jahr,

gesundes und behütetes Leben,

um eine gute Zeit heute mit erfüllten Stunden.

Ich bitte dich um offene Augen,

die dich in allen Dingen am Werk sehen;

um Augen, die hellsichtig sind

für die Gaben, die du mir schenkst.

Ich bitte dich um offene Ohren,

die mich auch die leisen

und unausgesprochenen Bitten

meiner Mitmenschen hören lassen.

Ich bitte dich um Behutsamkeit

Im Umgang mit schwierigen Menschen.

Ich bitte dich um ein gutes Gedächtnis

Für die Sorgen anderer und für Dinge,

die ich zu tun versprochen habe.

Ich bitte dich um ein fröhliches Gesicht

Und um ein Lächeln,

das aus dem Herzen kommt.

Ich bitte dich, begegne mir auf den Wegen,

die ich heute gehen werde;

tritt mir entgegen in den Menschen,

die mich zum Leben ermutigen.

Lass mein Leben in deiner Hand ruhen,

und lass mich geborgen sein in dir. Amen.

 

Segen


Der gute Gott segne dich,

der du gebildet aus den Elementen der Erde

und von seinem göttlichen Atem belebt –

hineingelegt in die Hände der Menschen.

 

Er lasse dich Freunde finden,

die mit dir Licht und Schatten teilen,

die mit dir barmherzig sind und gerecht.

 

Er rette deine Zartheit.

 

Er schenke dir das Brot,

das du täglich brauchst,

einen Engel, der dich begleitet

über die Brücken und die Tiefen

des Lebens.

 

Er lasse dich Geschmack finden

am Wasser der Taufe

und an seinem Wort,

uns erzählt von Jesus, Gottes Sohn.

Der menschenfreundliche Gott sei mit dir,

der dich liebt und dessen Name heißt:

Gott-mit-uns,

an allen Tagen deines Lebens. Amen

Impuls der Woche 06.01.2021 - 09.01.2021

Dem Stern folgen: Wir haben den Stern gesehen

 

Gebet für den Tag

Allmächtiger, ewiger Gott,

alles Gute kommt von dir. Stärke uns im Glauben

an deine heilbringende Botschaft.

Schenke uns Augen, deinen Stern zu sehen,
und Ohren, deine Stimme zu hören.
Dann lass uns mit den Weisen das Kind finden,
das du uns geschenkt hast:
Jesus, unseren Herrn,
das Licht aller Völker.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Schriftwort für den Tag

Matthäus 2,1-12

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Zwei Dinge, die bei mir Aufmerksamkeit wecken: Die drei Weisen aus dem Morgenland folgen dem Stern, folgen anderen Idealen, als es König Herodes macht. Sie suchen etwas Neues, das Neue: einen anderen Blick auf die Welt. Und als sie das neue Geschenk für die Welt entdecken, gehen sie vor diesem Kind in die Haltung der Verehrung. Das wäre es doch für diese Welt: mit einem anderen Blick und anderen Wegen den Kindern dieser Erde ein menschenwürdiges Leben zu bahnen. Dann hätten wir andere Ideen für die Flüchtlinge auf der Insel Lespos; dann hätten wir einen ständigen Blick für die Näherinnen in Bungladesch; Die Weisen folgen dem Stern!


Der Segen der Sterne

Wir blicken in das Sternenzelt

und staunen über seine Weite.

Gottes Segen durchströmt die ganze Schöpfung.

Wir blicken in das Sternenzelt

und spüren die Sehnsucht nach Weisung.

Gottes Segen durchströmt unsere Herzen und Sinne.

Wir blicken auf Christus, den Morgenstern,

und lassen uns von ihm leiten.

Gottes Segen durchströmt uns mit Freude an diesem Stern.

Gottes Segen lasse diese Freude weiter strömen

zu allen, die sich nach ihr sehnen.

Amen

Neujahr 2021 - Alles hat seine Zeit

 

Schriftwort für den Tag Kohelet 3,1-11


Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. …. Überdies hat Gott die Ewigkeit in ihr (die Menschen) Herz hineingelegt,


Ein Schriftwort aus der Weisheitsliteratur der Bibel.


Zuversicht aus Glauben.


Wir glauben an Gott,

der das Leben erschaffen hat und es als heilig erklärt,

der sich zu uns wendet als Freund und alles mit uns teilt,

der sich vor uns stellt und uns vertritt, wenn man uns anklagt.

Er widersteht denen, die ihre Hoheit durch Gewalt behaupten;

er schenkt den Armen Würde und Freude.

Wir glauben an Jesus Christus.

Er wurde geboren mitten in unserer Armut.

Er lebte mitten unter uns und war uns in allem gleich.

Er sprach das Wort Gottes aus und hob die Gerechtigkeit aus dem Staub;

er lud uns ein auf seinem Weg und beteiligte uns an seiner Pilgerschaft.

Er beendete den Fluch der Gewalt und lehrte uns den Weg der Versöhnung.

Als der Auferstandene hält er uns fest, dass wir mit ihm leben.

Wir glauben an Gottes Heiligen Geist,

der uns Kraft gibt, der uns tröstet und uns erneuert,

der unsere Ketten löst,

unsere Augen öffnet und uns zur Liebe befreit.

Aus den Menschen aller Völker wirbt er sein Volk.

Durch Glauben, Taufe und Mahl ist er gegenwärtig in unserer Mitte.

Er beschenkt uns mit dem Zeugnis der Mütter und Väter, der Brüder und Schwestern

damit wir Mut und Zuversicht haben.

Er leitet unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Er gibt uns ein neues Lied in unseren Mund

und lässt uns morgen die Herrlichkeit Gottes schauen,

das neue Jerusalem, eine Stadt für alle Menschen,

Hoffnung für alle Welt, ohne Tränen, Leid und Geschrei.


Entnommen aus: Handreichung zur Friedensdekade 1989, - gekürzt: Bernd Hante -.

Gebete für das Jahr


Gott des Anfangs


vor mir liegt das neue Jahr
ausgebreitet
wie ein leeres weißes Papier
achtsam zeichne ich
meine ersten Linien
neue Ideen
steigen in mir auf
für das Bild des neuen Jahres


Freude und Ruhe
erfüllen mich
ich bin beschenkt
mit diesem neuen Anfang
suchend
gestaltend
achtsam
zögernd und mutig
darf ich wieder neu beginnen


aus deinen Händen
nehme ich dieses Geschenk
in deiner Liebe
darf ich vertrauend beginnen
deinen Segen erbitte ich
für alle Farben
des neuen Jahres


Amen Regina Hagmann


Allen ein farbenfrohes Neues Jahr!

Alles Impulse im Rückblick

Impuls für die Zeit zwischen den Jahren

 

zwischen den jahren



du

mein Gott

nun ist sie da

die zeit zwischen den jahren



die zeit zwischen den jahren

ist für mich

eine zeit des aufatmens

eine zeit des innehaltens

eine zeit des zurückschauens

eine zeit des dankens



ja,

voll dankbarkeit schaue ich zurück

auf das vergangene jahr



in alledem was war

durfte ich erfahren



du bist da

du bist mir nah

du hältst mich in deiner Hand

du umgibst mich mit deinem segen



dafür danke ich dir von herzen

danke dir

meinem Gott



alles

was ich erlebt und erfahren habe

trage ich voll dankbarkeit in meinem herzen

und halte es dir hin

lege alles zurück in deine barmherzigkeit



du

mein Gott

ich bitte dich

nimm du es an

und wandle es

dass es mir und anderen zum heil und segen werde

amen


Ulrike Groß – Dezember 2011

 

  

Gebet zwischen den Jahren



Der mich atmen lässt

Der mich atmen lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich schweigen lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich reden lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich warten lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich handeln lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich handeln lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich wachsen lässt

bist Du lebendiger Gott

Der mich Mensch sein lässt

bist Du lebendiger Gott

der mich atmen lässt

bist Du lebendiger Gott


Anton Rotzetter

Fest der Familie

 

Fest der Familie


Wenn wir Familiengeschichten aufrufen und erzählen, wird uns sehr bewusst, woher wir kommen. Wenn wir Glaubensgeschichte erzählen und leben, spüren wird aus welcher Kraft und Quelle, aus welchem Ursprung wir leben:

Schriftwort für den Tag 1. Johannesbrief 4,7-12

Geliebte, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.

 

Segen des göttlichen Kindes

Jesus, das göttliche Kind,

das Maria im Stall geboren hat,

möge uns segnen

mit dem Licht, das die Nacht der Zukunft erhellt!

Jesus, das göttliche Kind,

das in unseren Herzen geboren ist,

möge uns segnen

mit der Wärme, die unseren Leib

und unsere Seele heilt!

Jesus, das göttliche Kind,

das jeden Morgen in uns neu erwacht,

möge uns segnen

mit dem Blick, der die Menschen nah und fern

mit Frieden erfüllt! Amen

Impuls für Weihnachten 2020

Weihnachten 2020


„Ich glaube, wir gehen einem besonders schönen Weihnachten entgegen. Gerade weil sich alles äußere Sorgen diesmal von selbst verbietet, wird es sich herausstellen, ob wir am Wesentlichen genug haben“, schrieb der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1943 aus dem Gefängnis.

Ein beeindruckendes Wort aus bedrängender Situation.

Und weiter: „So wollen wir ohne Verzagtheit, vielmehr mit voller Zuversicht diesem Weihnachtsfest entgegengehen.“ – „…ob wir am Wesentlichen genug haben…“
In diesem so anderen Jahr ist uns vieles an vertrauten Formen genommen. Die Botschaft aber bleibt:

 

Schriftwort für den Tag Lukas 2,1-19

Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden / den Menschen seines Wohlgefallens. Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

„ob wir am Wesentlichen genug haben …“ die Antwort liegt in uns. Es ist ein Fest der Familie, das ist sicher so, doch was noch viel sicherer ist: Es ist ein Fest des Glaubens.

Ich wünsche allen, dass sie spüren: Gott sucht uns auf mit seinem Lockruf:: Mensch, wo bist du? Ich hoffe jeder und jede kann die Antwort sagen: Hier bin ich!


Segen des Engels


Der Engel ruft uns zu:

Euch ist heute der Heiland geboren!

Fürchtet euch nicht,

glaubt und vertraut in die Macht der Liebe!

Gesegnet sei euer Vertrauen!

Der Engel ruft uns zu:

Euch ist heute der Heiland geboren!

Ihr seid nicht allein!

Ihr seid auch für andere da!

Gesegnet seid ihr,

die ihr wie Engel für andere seid!

Der Engel ruft uns zu:

Euch ist heute der Heiland geboren.

Die Weihnachtsbotschaft

erfülle euch mit großer Freude!

Gehet hin mit dem Segen des Christus!

Amen

 

 

Impuls der Woche 20.12.2020 bis 23.12.2020

Guter Hoffnung

Wenn Menschen guter Hoffnung sind, dann kommen Bilder wie: Ein Paar erwartet Nachwuchs; ein Mensch sieht eine große Herausforderung für sein Leben; da sieht ein Mensch Licht am Ende eines Tunnels; Da gibt es die berechtigte Hoffnung, eine Krankheit überwunden zu haben.

In diesen Tagen sind wir guter Hoffnung: Nach Weihnachten werden die ersten Menschen geimpft werden können. Es gibt eine berechtigte Hoffnung, am Ende des Tunnels der Pandemie ein Licht zu sehen.

Das Bild guter Hoffnung verbindet sich immer mit der Haltung der Erwartung und des Wartens, des aktiven Wartens. Also kann ich alle nur ermutigen, sich aktiv an der Eindämmung der Pandemie zu beteiligen, mit Einschränkungen zu leben für ein solidarisches Miteinander.

Das fängt bei jedem Menschen an!

Der Schrifttext des vierten Adventssonntags nimmt uns hinein in die Begegnung des Engels Gabriel mit Maria. Es ist kein Event, kein Familientreffen. Maria und der Engel sind allein. Und Maria fällt ihre Entscheidung allein, weil sie die größere Hoffnung für alle erkennt.

Lukas 1,26-38

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

 

Maria ist der Hoffnung Gesicht – und ich wünsche allen, der Hoffnung ihr/sein Gesicht zu geben.

Ihr seid der Hoffnung Gesicht,

den Hoffnungslosen Licht,

der Beginn einer neuen Welt.

Keine Welt, die den Himmel verspricht,

keine Zeit, die das heute vergisst,

Eine Welt, die leben lässt.

(Thomas Laubach)

Dazu lege Gott seinen Segen auf und in allen!

Impuls der Woche 13.12.2020 - 19.12.2020


Wessen Geistes Kinder sind wir

Die Pandemie verlangt uns allen viel ab. Oft ist es so, dass sich in Grenzsituationen zeigt, wessen Geistes Kind ich bin. Ich lade Sie ein, sich in der kommenden Woche einfach in den Schrifttext des Propheten Jesaja zu stellen. Was bedeutet es dann, mit dem Geist Gottes zu leben. Dieser Geist führt mich in die Verbundenheit zu der Welt, in der ich lebe. Dieser Geist Gottes führt mich hinaus aus meinem Ich in das Du. In dieser Begegnung erwacht die Sendung für das Leben. In dieser Begegnung strahlt auf der Sinn des Lebens: sich der Welt und dem Nächsten zuwenden und stellen.

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; / denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe / und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Denn ich, der Herr, liebe das Recht, / ich hasse Verbrechen und Raub. Ich bin treu und gebe ihnen den Lohn, / ich schließe mit ihnen einen ewigen Bund. Ihre Nachkommen werden bei allen Nationen bekannt sein / und ihre Kinder in allen Völkern. Jeder, der sie sieht, wird erkennen: / Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat. Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. / Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, / er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt / und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt. Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt / und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor / und Ruhm vor allen Völkern. (Jesaja 61,1-2.8-11)

Vielleicht kann Sie dieses Gebet unterstützen, sich in diese Prophetie hineinzustellen:

Gott, du bist alles in allem.

Schenke uns Kraft zum Aufstehen

gegen Gleichgültigkeit – für Aufmerksamkeit,

gegen Missmut – für die Hoffnung,

gegen Unterdrückung – für den Widerstand,

gegen Unrecht – für das Recht,

gegen Hass – für die Liebe

gegen Armut – für die Fülle,

gegen Angst – für das Vertrauen,

gegen den Tod – für das Leben.

Gott, du bist alles in allem.

Schenke uns Kraft zum Aufstehen – für das Leben. Amen

 

Segen

Gott lege seinen Segen auf dich,

damit er dich behüte.

Gott lege seinen Segen in dein Herz,

und schenke dir Hoffnung, Sehnsucht und Freude.

Gott lege seinen Segen in deine Hände,

damit sie Liebe geben und Frieden reichen.

Gott lege seinen Segen auf dich.

Impuls der Woche 06.12.2020 bis 12.12.2020

Botschaft vor System

In dieser Woche sind erste Ergebnisse der Forschungsgruppe der Universität Münster bezüglich der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster vorgestellt worden. Die Erkenntnisse seien "nicht überraschend, aber doch erschreckend", sagte Peter Frings, Interventionsbeauftragter des Bistums Münster. Aufklärung ist nötig. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass das eigene System der Kirche geschützt wurde zu Lasten der Opfer. Es zeigt: wenn das System über die Botschaft der Bibel und ihrer Propheten gestellt wird, geht es schief.


Wie tröstlich die Texte des zweiten Advent sind. Die Gefangenschaft Israels wird nicht stabilisiert, nicht tabuisiert, sondern Gedanken und Visionen der Hoffnung ausgesprochen. Das betroffene Israel wir aufgerufen, seine Stimme zu erheben und Botin der Freude, der frohen Botschaft zu werden:


Eine Stimme ruft: / Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße / für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, / jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, / und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, / alle Sterblichen werden sie sehen. / Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen. Eine Stimme sagte: Verkünde! / Ich fragte: Was soll ich verkünden? Alles Sterbliche ist wie das Gras / und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, / wenn der Atem des Herrn darüber weht. / Wahrhaftig, Gras ist das Volk. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, / doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit. Steig auf einen hohen Berg, / Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, / Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! / Sag den Städten in Juda: / Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, / er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: / Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, / er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, / die Mutterschafe führt er behutsam. (Jesaja 40,3-11)

Welch eine Kraft und eine Energie singt aus diesem Text. Ich weiß nicht, wohin sich unsere kirchliche Struktur entwickeln wird, ob die Verantwortlichen die weisen Konsequenzen ziehen werden. Ich weiß nur: diese Botschaft der Propheten hält mich dabei, hält mich in meinem Dienst in der Kirche!


Herr Jesus Christus,

durchflute unsere Herzen mit deinem Geist und Leben.

Durchdringe unser ganzes Sein und nimm es in Besitz,

so vollständig, dass unser Leben einzig ein Ausstrahlen deines Lebens sei

Leuchte durch uns hindurch und wohne so in uns,

dass jeder, dem wir begegnen,

deine Gegenwart in unseren Herzen erspürt.

Bleibe bei uns, dann werden wir zu leuchten beginnen,

wie du leuchtest; das Licht wird ganz aus dir stammen.


Lass uns dich so preisen, wie es dir am liebsten ist,

indem wir verkünden durch unser Beispiel,

durch die aufleuchtende Fülle der Liebe zu dir,

die du in uns entzündest.  

(John Henry Newman)

Impuls der Woche 29.11.2020 - 05.12.2020

Reiß doch die Himmel auf (Prophet Jesaja)


Den Advent beginnen wir mit dem Propheten Jesaja. Wem ist nicht danach zumute, auch heute diese Bitte, reiß doch die Himmel auf auszusprechen. Wir werden weiter Rücksicht nehmen müssen, um mit der Pandemie leben zu können, um nicht unnötig Leben zu gefährden. Das dauert schon ziemlich lange …. wann wird diese Lage endlich vorbei sein? Weihnachten mit Sicherheit noch nicht, und doch sollten wir das NOCH NICHT groß schreiben.


Das geht für mich mit Gottvertrauen, mit diesem Vertrauen können wir die Augen öffnen. Wie der Prophet Jesaja unser Leben in die Beziehung zu unserem lebendigen Gott setzt:

Wie Feuer Reisig entzündet, wie Feuer Wasser zum Sieden bringt, um deinen Feinden deinen Namen bekannt zu machen, sodass die Nationen vor dir erbeben. Als du Furcht erregende Dinge tatest, die wir nicht erwarteten, stiegst du herab; vor dir erzitterten die Berge. Seit Urzeiten hat man nicht vernommen, hat man nicht gehört; kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen, der an dem handelt, der auf ihn harrt. Du kamst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt, denen, die auf deinen Wegen an dich denken. …. Doch nun, HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände. (Jesaja 64,1-4.7)

Wir sind der Ton – Gott ist der Töpfer. Es ist guter Ton und es sind kreative Hände, die das Werk vollbringen. In allen liegt die Kraft und Phantasie, in einem anderen Advent einen erfüllten Advent zu empfangen. In allen liegt die Schönheit und der Reichtum, aus einem anderen Advent einen menschlichen und liebevollen Advent zu machen. In allen liegt die Hoffnung und die Erwartung, in einem anderen Advent die Menschwerdung Gottes in meinem Leben und im Miteinander zu erleben. Wir sind der Ton – Gott ist der Töpfer.


Gebet der Töpfer von Taizé


Herr,

mache mich zu einer Schale,

offen zum Nehmen,

offen zum Geben,

offen zum Beschenktwerden,

offen zum Bestohlenwerden.

Herr,

mache mich zu einer Schale für Dich,

aus der Du etwas nimmst,

in die Du etwas hineinlegen kannst.

Wirst Du bei mir etwas finden,

was Du nehmen könntest?

Bin ich wertvoll genug,

sodass Du in mich etwas hineinlegen wirst?

Herr, mache mich zu einer Schale

für meine Mitmenschen,

offen für die Liebe,

für das Schöne,

das sie verschenken wollen,

offen für ihre Sorgen und Nöte,

offen für ihre traurigen Augen

und ängstlichen Blicke,

die von mir etwas fordern.

Herr,

mache mich zu einer Schale.


Das Gebet der Töpfer von Taizé entstand
in der Töpferei der Ordensgemeinschaft unter Frère Roger.
Er gründete diese Gemeinschaft in einem kleinen Ort namens Taizé in Burgund

Impuls der Woche 22.11.2020 bis 28.11.2020

Das will ich sehen

Für das Fest Christuskönig habe ich ein Lied von Sabrina Setlur ausgesucht. Wir wissen, dass die Verheißungen der biblischen Propheten noch immer der Erfüllung entgegengehen, es ist noch soviel offen! Doch mit dieser Hoffnung bin ich unterwegs, die Hoffnung kämpft in mir, diese Hoffnung lebt in mir. Doch die Vollendung ist Er, unser Gott. Das will ich schauen.


Ich will sehen, wie sein Zelt bei den Menschen ist und er bei ihnen weilt.
Das will ich sehen.
Ich will sehen, wie sie seine Völker sind und er selbst bei ihnen ist.
Das will ich sehen.
Ich will sehen, wie Wolf und Lamm einträchtig weiden und der Löwe Stroh frisst wie ein Stier
Ich will sehen, wie kein Schaden gestiftet wird noch irgendwie
Verderben auf seinem ganzen heiligen Berg.
Das will ich sehen.
ich will sehen, wie er Kriege aufhören lässt bis an das äußerste Ende der Erde, das will ich sehen.
Ich will sehen, wie sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden.
Das will ich sehen. Das will ich sehen.

 

Ich will sehen, wie er jede Träne von ihren Augen abwischt und der Tod nicht mehr ist.
Ich will sehen, dass weder Trauer noch Schmerz noch Geschrei mehr sind, weil sie mit den früheren Dingen vergangen sind.
Das will ich sehen. Das will ich sehen
Ich will sehen, wie die Augen der Blinden geöffnet werden und die Ohren der Tauben aufgetan werden.
Ich will sehen, wie der Lahme klettert wie ein Hirsch und der Stumme jubelt.
Das will ich sehen. Das will ich sehen.
Ich will sehen, wie die ganze Erde mit seiner Erkenntnis erfüllt ist, wie die Wasser das ganze Meer bedecken
Ich will sehen, wie sie nicht mehr hungern und auch nicht mehr dürsten.
Das will ich sehen. Das will ich sehen.
Ich will sehen, wie die Sanftmütigen die Erde besitzen. Das will ich sehen.
Ich will sehen, wie der Gerechte aufblüht wie eine Palme.
Das will ich sehen. Das will ich sehen.

 

Ich will sehen, wie die Stunde kommt, in der alle die in den Gedächtnis-Gruften sind, seine Stimme hören und herauskommen.
Ich will sehen, wie die Gerechten selbst die Erde besitzen werden
und sie immerdar darauf wohnen werden. Das will ich sehen
Ich will sehen, wie das Meer diejenigen Toten herausgibt,
die darin sind und der Tod und der Hades diejenigen Toten herausgeben, die darin sind.
Das will ich sehen. Das will ich sehen.


Sabrina Setlur

 

Segen


Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit

Segne

Tun und Lassen

Arbeit und Ruhe

Den besonderen Tag und den Alltag

Segne uns

Mit deiner Kraft,

mit deiner Phantasie,

mit deiner Liebe

bis wir und alle anderen

heil und ganz sind

in deinem Reich.

In: Beratungsstelle für Gestaltung „Durch Umkehr und Busse werdet ihr gerettet…“
Frankfurt/M. 1995 Text: Hanne Köhler
Herausgeberin: Landesverband Evangelische Frauenhilfe

Impuls der Woche 15.11.2020 - 21.11.2020

Hinter den Nebeln wartet die Sonne


Wir merken: die Tage werden kürzer, und die Nächte länger. Wir spüren, dass wir länger mit der Pandemie zu tun haben, als uns lieb ist. Wir erkennen, dass es die einfachen Lösungen nicht mehr gibt. Und zugleich brauchen wir auch eine Hoffnung und eine Perspektive für das Morgen. Für mich enthält die biblische Welt der Propheten eine wertvolle Weisung: Hoffnungsbilder entstehen in schwierigen Zeiten des Gottesvolkes: 

Siehe, Tage kommen - Spruch des HERRN -, da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund. Er ist nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war - Spruch des HERRN. Sondern so wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des HERRN: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen Gott sein und sie werden mir Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den HERRN!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen - Spruch des HERRN. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr. (Jeremia 31,31-34)

 

Ich glaube,

dass hinter den Nebeln die Sonne wartet.

Ich glaube,

dass es jenseits der dunklen Nacht Sterne regnet.

Ich rechne mit verborgenen Vulkanen

unter der unteren Welt.

Ich glaube,

dass dieses verloren gegebene Schiff

den Hafen erreichen wird.

Ich glaube

an die Ohnmacht der Liebe

und nicht an die Stärke von Waffen.

Ich glaube,

dass Frieden über die Erde ausgesät wird.

Ich glaube an die Würde des Menschen,

der geschaffen ist nach dem Bilde Gottes.


(Aus Chile)

Impuls der Woche 08.11.2020 - 14.11.2020

Imagine – der Hoffnung ein Gesicht geben

 
Imagine

John Lennon


Imagine there‘s no heaven

It‘s easy if you try

No hell below us

Above us only sky

Imagine all the people living for today

Imagine there‘s no countries

It isn‘t hard to do

Nothing to kill or die for

And no religion too

Imagine all the people living life in peace, you

You may say I‘m a dreamer

But I‘m not the only one

I hope some day you‘ll join us

And the world will be as one

Imagine no possessions

I wonder if you can

No need for greed or hunger

A brotherhood of man

Imagine all the people sharing all the world, you

You may say I‘m a dreamer

But I‘m not the only one

I hope some day you‘ll join us

And the world will live as one

 


Stell dir vor

John Lennon


Stell dir vor, es gäbe kein Himmelreich.

Es ist ganz einfach, wenn du es versuchst.

Keine Hölle unter uns,

über uns nur der Himmel.

Stell dir vor, alle Menschen leben nur für das „Heute“.

Stell dir mal vor, es gäbe keine Nationalstaaten,

es ist gar nicht so schwer.

Nichts, wofür man töten oder sterben könnte,

und auch keine Religion.

Stell dir vor, alle Menschen leben ihr Leben in Frieden.

Du magst sagen, ich sei ein Träumer,aber ich bin nicht der einzige.

Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,

und die ganze Welt wird wie eine sein.

Stell dir vor, es gäbe keine Besitztümer mehr.

Ich frage mich, ob du das kannst.

Keinen Grund für Gier oder Hunger,

Eine Menschheit in Brüderlichkeit.

Stell dir vor, alle Menschen teilen sich die Welt.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,

aber ich bin nicht der einzige.

Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein

und die ganze Welt wird wie eine leben.

 
Der Hoffnung ein Gesicht geben, dazu lade ich mit einem weiteren Lied ein:

Ihr seid der Heimat Gesicht , den Heimatlosen Licht

der Beginn einer neuen Welt.

Keine Welt, die den Himmel verspricht,

keine Zeit, die das Heute vergisst.

Eine Welt, die leben lässt.

Ihr seid der Hoffnung Gesicht, den Hoffnungslosen Licht,

der Beginn einer neuen Welt.

Keine Welt, die den Himmel verspricht,

keine Zeit, die das Heute vergisst.

Eine Welt, die leben lässt.

Ihr seid der Zukunft Gesicht, den Ahnungslosen Licht,

der Beginn einer neuen Welt.

Keine Welt, die den Himmel verspricht,

keine Zeit, die das Heute vergisst.

Eine Welt, die leben lässt.

(Text: Thomas Laubach)

 


Segen


Der Herr segne dich.

Er erfülle deine Füße mit Tanz

und deine Arme mit Kraft.

Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit

und deine Augen mit Lachen.

Er erfülle deine Ohren mit Musik

und deine Nase mit Wohlgerüchen.

Er erfülle deinen Mund mit Jubel

und dein Herz mit Freude.

Er schenke dir immer neu

die Gnade der Wüste:

Stille, frische Wasser

und neue Hoffnung.

Er gebe uns allen immer neu die Kraft,

der Hoffnung ein Gesicht zu geben.

Es segne dich der Herr. (Aus Afrika)

Impuls der Woche 01.11. - 07.11.2020

Allerheiligen – die Neue Welt Gottes



In diesen Tagen werden viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen besuchen. Vielleicht wird aufgrund der Pandemie kein Familientreffen. Dennoch: Lichter werden als Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung auf die Gräber gestellt. Und das hat seinen Grund. Sie vertrauen einem Gott, der das Leben ist. So lesen wir an diesem Tag in allen Kirchen aus dem Schlusskapitel der Geheimen Offenbarung des Johannes.

Geheime Offenbarung des Johannes 21,1-6



Das Wohnen Gottes unter den Menschen


Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr! Er sagte zu mir: Sie sind geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich unentgeltlich aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt.

Diese Hoffnung richtet auf, denn sie schließt keinen aus!!

Mit dieser Hoffnung ziehen wir ins Leben. Daher lesen wir an diesem Tag auch aus den Weisungen Jesu:

Matthäus 5,1-12



Seligpreisungen

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden; / denn sie werden getröstet werden.

Selig die Sanftmütigen; / denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; / denn sie werden gesättigt werden.

Selig die Barmherzigen; / denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die rein sind im Herzen; / denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; / denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; / denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.

Mit dieser Haltung können wir Zeugnis geben für das Leben!


Wenn Segen Freude ist

wenn Freude auch Leid ist

wenn Leid Tod ist

wenn Tod das Ende ist

wenn das Ende der Anfang ist

wenn der Anfang Gottes Geschenk ist

wenn Gottes Geschenk die Ewigkeit ist

dann wünsche ich Dir viel von Gottes Segen.

(Kurt Weigel)

Impuls der Woche 25.10.2020 bis 31.10.2020

30 Jahre deutsche Einheit – Courage, Ringen, Widerstand und Familiengeschichte junger Menschen

In diesen Wochen werden viele Filmproduktionen im Fernsehen gezeigt, die sich mit den Folgen des zweiten Weltkrieges und der deutschen Spaltung in Ost und West befassen. Sie versuchen deutsche Geschichte darzustellen und aufzuarbeiten. Ein sehr gelungener Film ist:

Das schweigende Klassenzimmer

DDR, Herbst 1956: Die Abiturienten Theo und Kurt sehen im Kino die "Wochenschau"-Bilder des Ungarn-Aufstandes. Der verzweifelte Kampf der jungen Menschen um Demokratie berührt Kurt. Über den Westrundfunk erfahren die beiden mehr über den Aufstand und diskutieren die Ereignisse mit ihren Klassenkameraden. Als im RIAS zu Schweigeminuten für die Opfer aufgerufen wird, sind sie begeistert von der Idee, ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Doch es gibt auch Gegenstimmen. Insbesondere Erik folgt der DDR-Deutung der Vorgänge in Ungarn als Konterrevolution. Schließlich wird abgestimmt – die Mehrheit ist für die Geste der Solidarität. Im Geschichtsunterricht schweigt die ganze Klasse eine Minute lang. Der Fachlehrer ist empört und beschwert sich bei Direktor Schwarz. Der will die Sache zunächst kleinhalten und versucht, den Vorfall als Dummejungenstreich zu verkaufen. Doch Lehrer Ringel, der gleichzeitig als FDJ-Sekretär arbeitet, verlangt nach einer konsequenten politischen Klärung. Schwarz lädt Theo zu sich ein und macht ihm klar, dass man sich wegen möglicher Konsequenzen eine Ausrede überlegen müsse. Diesen Gedanken trägt Theo in die Gruppe. Kurt ist empört. Eine Ausrede wäre aus seiner Sicht ein Verrat an den Ungarn. Auch Lena, Theos Freundin, versteht diesen nicht. Eine durch ihren Mitschüler Edgar vermittelte neuerliche Abstimmung ergibt dennoch eine Mehrheit für die Ausrede. Man habe angeblich nicht mehr gewollt, als des ungarischen Fußball-Nationalspielers Ferenc Puskás zu gedenken, der unter den Toten des Aufstandes sein soll. Wieder halten sich alle an das Votum. Auch Erik als Fußballfan stimmt dem Kompromiss zu. Doch die Erklärung reicht der Kreisparteileitung nicht, Kreisschulrätin Kessler nimmt die Ermittlungen auf.
Die Klassengemeinschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Die Schüler werden einzeln verhört, gegeneinander ausgespielt und bedroht. Der Konflikt wird in die Elternhäuser getragen. Hier herrscht Angst, und die Kinder werden angehalten, klein beizugeben, um das Abitur nicht zu gefährden. Schließlich steht Volksbildungsminister Lange höchstpersönlich bei ihnen im Klassenzimmer und spricht ein Ultimatum aus. Wenn nicht bis kurz vor Weihnachten das Schweigen gebrochen und der Anstifter benannt ist, wird die Klasse aufgelöst. Die Verhörmethoden werden immer perfider. Erik hält dem Druck nicht stand und verrät Edgar. Beim Rest der Gruppe dagegen erhöht der äußere Druck die innere Solidarität. Niemand ist bereit, des eigenen Vorteils willen einen Rädelsführer zu verraten. Ohnmächtig vor Wut schließen daraufhin die Funktionäre die ganze Klasse vom Abitur aus. Damit stehen die jungen Menschen und ihre Familien vor einer folgenschweren Entscheidung. (aus: ZDF Mediathek)
Diese Geschichte hat historischen Ursprung. Bis auf vier Schüler werden alle die DDR verlassen und machen ihr Abitur in der BRD. Sie verlassen damit auch ihre Familie mit der Konsequenz, ihre Eltern und Geschwister nicht wiederzusehen.

Eric, Theo und Kurt haben eine Familiengeschichte, für die sie nichts können. Der Film zeigt allmählich eine Aufklärung, die für alle drei bitter ist. Die drei Familien verkörpern deutsche Vergangenheit. Die deutsche Vergangenheit kann viele Familie betreffen, auch wenn es für die jüngere Generation weit weg ist. Es liegt daran, für Werte von Freiheit und Demokratie und Partizipation einzustehen.

In der Klasse wächst bei aller Ambivalenz des eigenen Verhaltens die Solidarität untereinander. Als sie Theo von der Schule verweisen wollen, bekunden alle, mit Theo in einem Boot zu bleiben. Sie stehen auf und sind standhaft. Das hat seinen Preis: alle werden der Schule verwiesen. Solidarität kostet – hier im Film die eigene Zukunft. Und es ist bis heute so, Gemeinwohlorientierung und Solidarität erfordern den persönlichen Einsatz. Er braucht eine ordentliche Portion Zivilcourage.

Die Weltanschauungen der jungen Menschen sind im Film unterschiedlich. Und doch finden sie zusammen und stehen ein für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Auch heute sind Lebensentwürfe unterschiedlich. Und wir müssen immer wieder danach fragen, suchen und miteinander ringen, was unsere gemeinsamen Grundlagen und Werte sind. Das ist ja ein Bildungsauftrag der LVHS. Mit christlicher Perspektive wünsche ich allen mit dem Segen ein gutes Wirken:


Komm, Herr segne uns, dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die deinen.

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,

schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden,

wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.

Hilf das wir ihn tun, wo wir ihn erspähen,

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Dieter Trautwein

Impuls der Woche 18.10.2020 bis 24.10.2020

30 Jahre deutsche Einheit – Mit meinem Gott überspringe ich Mauern

Für mich werden Erinnerungen wach, an das Jahr 1989. Im März 1989 war ich Diakon und ich bin mit dem Kaplan der Gemeinde nach Berlin gefahren, in den Westen und in den Osten. Auftrag: Pax Christi trifft Aktion Sühnezeichen. Durch viele Kontrollen, lange Wartezeiten, dann waren wir in Westberlin. Auch die Grenzüberschreitung zwischen West- und Ostberlin verlief mit strengen Kontrollen, doch wir waren unbeschadet in Ostberlin angekommen. Dort trafen wir Vertreter von Aktion Sühnezeichen, auf der Straße. Wie? Keine Gastfreundschaft? Doch! Alle waren vorsichtig, weil keiner wusste, ob es nicht doch Wanzen in den Räumen von Aktion Sühnezeichen gab. Mir wurde bewusst, wie wenig Freiheit für freie Kommunikation und Verständigung es in der DDR gab. Und doch war die Sehnsucht nach Freiheit in jedem Atemzug des Gesprächs zu spüren. Acht Monate später saß ich mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher, wurden doch am 9. November die Grenzen geöffnet: Tag des Mauerfalls: Es waren Tränen der Freude. Weihnachten 1989 hatten wir in der Pfarrei Übersiedler zu einem Weihnachtsessen eingeladen. Ich war glücklich, das Essen für das gemeinsame Leben in einem geeinten Deutschland symbolhaft bereitet zu haben. Und zugleich merkte ich: wir kamen aus zwei Welten, es braucht Zeit. Auf der Weihekarte zur Priesterweihe im Jahr 1990: das Bild des Mauerfalls mit dem Spruch „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“. Das prägt mich bis heute. Dieser Vers ist aus dem Psalm 18. Thomas Laubach hat ihn in einem Lied in unsere Sprache gebracht:


Refrain:

Mit dir überspringe ich Mauern,
mit dir schwimm ich gegen den Strom.
Mit dir wag ich einen Anfang,
mit dir mach ich mich auf den Weg.


1. Du bist im Untergang mein Rettungsboot,
du bist der Stachel im Fleisch.
Du lässt mich nicht los,
du bist mein letzter Halt.


2. Du bist die Wurzel des Glücks, vertreibst den Tod,
du der Lebenstrieb.
Du gibst mich nicht auf,
du bist mein grüner Zweig.


3. Du bist im alten Trott mein Neubeginn,
du bist ein Sinn, der heilt.
Du stehst mit mir auf,
du bist mein erster Schritt.


In Leipzig hatten sich zuvor viele Christen jeden Montag in der Christuskirche versammelt. Sie hatten einen langen Atem. Sie hatten es gemeinsam mit ihrem Gott gewagt.


Ich will es nicht nur mit meinem Gott tun, dazu braucht es viele Weggefährten!

Impuls der Woche 04.10.2020 bis 17.10.2020

Gedanken zum Erntedankfest: Was nährt den Zusammenhalt?

(Grundlage Lukas 10,1-9, Hebräerbrief 3)

Erntezeit – da müssen viele Kräfte zusammenspielen, damit wir die Ernte einfahren und verarbeiten können. Das wissen die Bauern und Bäuerinnen zu gut. Dazu braucht es viele Hände. So werden Arbeiter für Ernte und Verarbeitung angeworben. Die Rede Jesu an die 72 Jünger und Jüngerinnen ist aus dem Alltag gegriffen.

Die Ernte ist groß, es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Die Gesandten nehmen nicht viel mit auf den Weg, doch überall wo sie sich einsetzen, sollen sie auch genug bekommen, sie sind des Lohnes wert. Auch eine Erfahrung aus dem Alltag.

Wir sagen Dank an alle, die mit ihre Hände Arbeit, unsere Ernährung sicherstellen. Und sie haben alle ein Recht auf ausreichenden Lohn: angefangen bei den Bauern und Bäuerinnen bis hin zu allen, die in der Ernte-, Verarbeitung- und Ernährungskette arbeiten.

Jesus hat eine Ernte im Blick, die im Kontext des Reiches Gottes steht und uns den Frieden bringt. In jedem Haus soll der der Friede einkehren mit der Perspektive: Das Reich Gottes ist euch nahe!

Wir brauchen viele Arbeiter und Arbeiterinnen, die mit diesem Grundverständnis des Lebens unterwegs sind.

Wir wissen, dass viele Menschen und einige Organisationen und Parteien in einigen Teilen der sozialen Medien und teilweise auf den Straßen, ein anderes Grundprinzip vertreten. Sie wollen spalten statt verbinden.

Deshalb möchte ich heute am Erntedank Dank allen gesellschaftlichen Kräfte und Menschen sagen, die sich das Grundverständnis Jesu zu eigen machen. Gute Nachrichten gehören in die Öffentlichkeit.

Was nährt den Zusammenhalt?

Es sind Zeugnisse, die das Gemeinsame suchen, die ihr Leben immer als Lernort des Glaubens und der Entwicklung des persönlichen Lebens verstehen. Sie haben daran gearbeitet, dass der Friede in ihrem Herzen triumphieren kann. Der Kolosserbrief beschreibt dazu einige Grundübungen für den Alltag, damit Wachstum und Ernte möglich werden: Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!

Das sind Weisungen, die sind alltagstauglich! Ein Leben ohne Auseinandersetzung und Verständigung gibt es nicht. Doch das Wichtigste ist, den Zusammenhalt zu suchen.

 

Zeugen gesucht

Gefragt sind Frauen und Männer,

die überzeugen,

weil sie überzeugt sind von dem,

was sie verkünden.

Gefragt sind Menschen,

die ausstrahlen,

was sie sagen und verkörpern,

wovon sie reden,

die einfach glaubwürdig sind.

 

Zeugen gesucht,

Gefragt sind Frauen und Männer,

die Zeugnis geben

von der Hoffnung, die sie trägt,

vom Vertrauen, das sie prägt,

von der Sehnsucht, die sie bewegt,

von Gott, der zu uns steht.

So bleibt Gottes schöpferischer Geist

am Werk in und durch uns Menschen.


Dank allen, die die Courage haben, ihr Zeugnis einander zu schenken. Und mit allem danke ich Gott, dem Vater, dem Schöpfer allen Lebens und allem Friedens.

 

 

Impuls der Woche 27.09.2020 bis 03.10.2020

Ein Bild vom Frieden

Es war einmal ein König, der schrieb einen Preis im ganzen Land aus: Er lud alle Künstlerinnen und Künstler dazu ein, den Frieden zu malen und das beste Bild sollte eine hohe Belohnung bekommen.

Alle Malerinnen und Maler im Land machten sich eifrig an die Arbeit und brachten dem König ihre Bilder. Von allen Bildern, die gemalt wurden, gefielen dem König zwei am besten. Zwischen denen musste er sich nun entscheiden.

Das erste war ein perfektes Abbild eines ruhigen Sees. Im See spiegelten sich die malerischen Berge, die den See umrandeten und man konnte jede kleine Wolke im Wasser wiederfinden. Jeder, der das Bild sah, dachte sofort an den Frieden.

Das zweite Bild war ganz anders. Auch hier waren Berge zu sehen, aber diese waren zerklüftet, rau und kahl. Am düsteren grauen Himmel über den Bergen jagten sich wütende Wolkenberge und man konnte den Regen fallen sehen, den Blitz aufzucken und auch fast schon den Donner krachen hören. An einem der Berge stürzte ein tosender Wasserfall in die Tiefe, der Bäume, Geröll und kleine Tiere mit sich riss. Keiner, der dieses Bild sah, verstand, wieso es hier um Frieden gehen sollte.

Doch der König sah hinter dem Wasserfall einen winzigen Busch, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. In diesem kleinen Busch hatte ein Vogel sein Nest gebaut. Dort in dem wütenden Unwetter an diesem unwirtlichen Ort saß der Muttervogel auf seinem Nest – in perfektem Frieden.

Welches Bild gewann den Preis?

Der König wählte das zweite Bild und begründete das so: „Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen: Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung, und heißt vor allem, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen, ruhig und friedlich im eigenen Herzen zu bleiben.“

Verfasser unbekannt

 

 

Segen für die Woche

Gott
du quelle des lebens
du atem unserer sehnsucht
du urgrund allen seins
segne uns
mit dem licht deiner gegenwart
das unsere fragen durchglüht
und unseren ängsten standhält.

 

segne uns
damit wir ein segen sind
und mit zärtlichen Händen
und einem hörenden herzen
mit offenen augen
und mutigen Schritten
dem frieden den weg bereiten

 

segne uns
dass wir einander segnen
und stärken
und hoffen lehren
wider alle hoffnung
weil du unserem hoffen
flügel schenkst.

(Katja Süß, in: M. Schmeisser, Gesegneter Weg 1997, 79)

 

Impuls der Woche 20.09.2020 bis 26.09.2020

Gelassenheit – eine Tugend, die leben lässt

In der vergangenen Woche 8 Tage auf dem Jakobsweg. Nicht allein. Doch die Wegstrecken durch das Sauerland hatten ihre Anforderungen. Entschleunigung, weil wir zu Fuß unterwegs waren. Anstrengung, weil wir so manchen Höhenmeter zurück gelegt haben. Jeder und jede musste seinen und ihren Rhythmus finden. Es war eine richtige Einübung in die Gelassenheit, am Abend gemeinschaftlich das Ziel erreicht zu haben. Jeder Tag und jede Stunde zählte! Ein Leben im Heute.

 
 
Dekalog der Gelassenheit
Nur für heute
werde ich mich bemühen,
den Tag zu erleben,
ohne das Problem
meines Lebens
auf einmal lösen
zu wollen.

Nur für heute
werde ich mich
den Gegebenheiten anpassen,
ohne zu verlangen,
dass sich die Gegebenheiten
an meine Wünsche anpassen.

Nur für heute
werde ich etwas tun,
wozu ich eigentlich
keine Lust habe.

Nur für heute
werde ich
nicht danach streben,
die anderen zu kritisieren
oder zu verbessern –
nur mich selbst.

Nur für heute
werde ich in der Gewissheit
glücklich sein,
dass ich für das Glück
geschaffen bin.

Nur für heute
werde ich
eine gute Tat vollbringen.

Nur für heute
werde ich zehn Minuten
meiner Zeit
einem guten Buch widmen.

Nur für heute
werde ich
keine Angst haben.

Nur für heute
werde ich ein genaues
Programm aufstellen.
Vielleicht halte ich mich
nicht genau daran,
aber ich werde es aufsetzen.
Und ich werde mich
vor zwei Übeln hüten:
vor der Hetze und
der Unentschlossenheit.

Nur für heute
werde ich glauben –
selbst wenn die Umstände
das Gegenteil zeigen sollten –,
dass Gott für mich da ist,
als gäbe es sonst
niemanden in der Welt.
Ich will mich nicht entmutigen
lassen durch den Gedanken,
ich müsste dies alles
mein ganzes Leben lang
durchhalten.

Heute ist es mir gegeben,
das Gute während
zwölf Stunden zu wirken.

Angelo Giuseppe Roncalli, Papst Johannes XXIII.

Impuls der Woche 13.09.20 bis 19.09.20

Eine große Bitte an Europa: Nicht Grenzen, sondern Menschen schützen


Die Flüchtlinge auf der griechischen Insel haben endlich wieder die Aufmerksamkeit. Dazu braucht es, dass das Flüchtlingscamp in Flammen steht.

„Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit dir los, Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten? Was ist mit dir los, Europa, du Mutter von Völkern und Nationen, Mutter großer Männer und Frauen, die die Würde ihrer Brüder und Schwestern zu verteidigen und dafür ihr Leben hinzugeben wussten?“ (Rede Pappst Franziskus 6.05.2026)

Ich hoffe auf „ein Europa, dem es fern liegt, Räume zu schützen, sondern das zu einer Mutter wird, die Prozesse hervorbringt (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 223)“ (Rede Papst Franziskus 6.05.2026), und Heimat und Menschlichkeit bietet für die Kinder dieser Erde.
Ein Europa, das seine Verantwortung vergießt, das seine Nationalstaatlichkeit höher bewertet als die Haltung der Humanität verliert auch seine Autorität und verspielt die Errungenschaft unserer Väter und Mütter.


Deshalb dieses Gebet:

Vater der Menschheit,

Herr der Geschichte,
 
Sieh auf diesen Kontinent,


dem du die Philosophen, die Gesetzgeber und die Weisen gesandt hast,

Vorläufer des Glaubens an deinen Sohn, der gestorben und wieder auferstanden ist.

Sieh auf diese Völker, denen das Evangelium verkündet wurde,

durch Petrus und durch Paulus,

durch die Propheten, durch die Mönche und die Heiligen.

Sieh auf diese Regionen,

getränkt mit dem Blut der Märtyrer,

berührt durch die Stimme der Reformatoren.

Sieh auf diese Völker, durch vielerlei Bande miteinander verbunden,

und getrennt durch den Hass und den Krieg.

 

Gib uns, dass wir uns einsetzen

für ein Europa des Geistes,

das nicht nur auf wirtschaftlichen Verträgen gegründet ist,

sondern auch auf menschlichen und ewigen Werten:

Ein Europa, fähig zur Versöhnung,

zwischen Völkern und Kirchen,

bereit um den Fremden aufzunehmen,

respektvoll gegenüber jedweder Würde.


 
Gib uns, dass wir voll Vertrauen unsere Aufgabe annehmen,

jenes Bündnis zwischen den Völkern zu unterstützen und zu fördern,

durch das allen Kontinenten zuteil werden soll

die Gerechtigkeit und das Brot,

die Freiheit und der Frieden.



AMEN


 
1 Mai 2005
Carlo Maria Cardinal MARTINI (1927-2012)

 

 

Impuls der Woche 06.09.2020 bis 12.09.2020

verbindungswege

verbindungswege
finden
finden wollen

auf ihnen
gehen
hin und her

trampelpfade
entstehen

verbindung
geschieht

zwischen
zwei
verschiedenen

Mechthild Wand, www.medebach.ch

Diese Haltung wünsche ich jedem Menschen für jeden Tag, für jede Woche.

Impuls der Woche 23.08.2020 bis 29.08.2020

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst...

Am Dienstag, 18.08.2020, hatten wir den Abschluss eines Dialogprozesses über ein gesellschaftliches Leitbild für die Landwirtschaft in der LVHS Freckenhorst.

Unsere Fragestellung: Wie halten wir gesellschaftliche Interessen und Landwirtschaft zusammen. Und dazu gehörte es für uns, dem Pastoralkonzept des Zweiten Vatikanischen Konzils gerecht zu werden. Sozusagen es in die Konkretion für gesellschaftlich Prozesse zu bringen.

Wir haben über ein Jahr lang mit den Protagonisten in der Wertschöpfungskette ihre Perspektiven, ihre Freude und Hoffnung, ihre Trauer und Angst eingebunden. Das hat verbunden!!

Dieser Prozess ist für mich ein Bild für den Auftrag der Kirche und eines jeden Christen, einer jeden Christin, gesellschaftliche Brücken mit Freude und Hoffnung, Trauer und Angst zu bauen. Wenn ich mich selbst mit dieser Haltung einbringe, lässt sich etwas bewegen.

Es ist eine Bewegung, die Hoffnungen und Ängste ernst nimmt, und nicht instrumentalisiert für spezielle und eigene Interessen.

Es geht um das Gemeinwohl!


Als Meditation und Anregung zur eigenen Haltung nun der folgende Text:

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst...

»Freude und Hoffnung, Trauer und Angst
der Menschen von heute, besonders der Armen
und Bedrängten aller Art, sind auch
Freude und Hoffnung, Trauer und Angst
der Jünger Christi. Und es gibt nichts
wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen
seinen Widerhall fände.«
Mit diesem schönen Wort begann vor dreißig Jahren
einer der wichtigsten Konzilstexte.

Ich will nicht die Kirchenleitung anklagen,
wie weit sie seitdem dies Papier übersetzt hat
in gelebte Praxis. Auch die Christen an der Basis
in den kritischen Gruppen will ich nicht
beim Wort nehmen. Aber mich selbst.

Wie buchstabiere denn ich das:
»Freude und Hoffnung, Trauer und Angst«?
Worüber freuen sich denn wohl die Sekretärin
und der Postbote? Worauf hoffen die Kassiererin
bei Aldi und mein Nachbarkollege? Worüber
sind ein Kommunionkind traurig und ein Sozialarbeiter?
Wovor haben eine Rentnerin Angst, ein junger Tamile,
mein Freund?

Und was ist mit den »Armen und Bedrängten«, die ich
kenne: der depressive Klient, der Bettler an der Haustür,
der Rollstuhlfahrer, die verlassene Frau mit
ihren zwei Kindern, der schwule Organist?

Ist deren »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst«
auch die meine? Oder — wenn nicht — gehöre ich
dann nicht zu den Jüngern Christi?

Aus: Hermann Josef Coenen, Freiheit, die ich meine. Patmos Veralg, Düsseldorf 1995.

Impuls der Woche 16.08.2020 bis 22.08.2020

Maria hat viele Namen

Für die Stadt Warendorf gehört die Feier des festes Maria Himmelfahrt zur festen Tradition, wie das Fest gefeiert wird, zeigt ein hohes Kulturgut.

In diesem Jahr wird vieles davon nicht umgesetzt werden können. Doch das Fest wird gefeiert, etwas anders. Alle freuen sich, wenn es im nächsten Jahr wieder mit allem kulturellen Reichtum gefeiert werden kann.

Das Fest ist aus sich heraus schon ein Reichtum. Maria findet mit ihrem Leben eine Vollendung in dem, von dem her sie gelebt hat: der Schöpfer allen Lebens.

So wird ihr Lobgesang, das Magnificat, vollendet:

„Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn /

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan / und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht / über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron / und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben / und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an / und denkt an sein Erbarmen,

das er unsern Vätern verheißen hat, / Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

(Lukas 1,46-55)



Sie ist eine Prophetin der Zukunft, die ihr nicht gehört!

Viele Frauen und Männer nach ihr, haben sich dieses Lied zu eigen gemacht, um die gleiche Würde aller Menschen zu verkörpern und nach Gerechtigkeit für alle zu streben. Diese Prophet*innen wissen, dass sie sich einbinden in eine Geschichte, die andere fortschreiben.

Wenn ich mir das zu eigen machen, dann habe ich eine Grundlage, eine Kraft, die nicht nur von den Erfolgen lebt. Doch ich binde mich ein in eine große Hoffnung für alle Menschen. Von daher kann ich bestimmte Positionen in unserer Gesellschaft und in anderen Ländern nicht unterstützen, ja ich muss mich von ihnen abgrenzen. Ich binde mich ein in Gottes Welt, und diesen Gott kann ich nicht für Interessen verzwecken. Nicht kirchlich, nicht gesellschaftlich. Zugleich kann ich den Geist aufnehmen, der darin weht: Die Erde ist ein Lebensort für alle Völker, Religionen und jeden Menschen!!

Propheten der Zukunft

Manchmal ist es gut, etwas Abstand zu nehmen und zurückzublicken.

Das Reich Gottes zu verwirklichen, übersteigt nicht nur unsere Kräfte, auch unseren Blicken ist es verborgen.

Im Laufe unseres Lebens ist unser Beitrag zu diesem wunderbaren nur klein.

Nichts von dem, was wir tun, ist vollendet; anders ausgedrückt, bedeutet dies: das Reich Gottes ist außerhalb unserer Reichweite.

Das ist das Wesen des Menschseins.

Wir sähen Saatkörner aus, die eines Tages wachsen werden. Die Saatkeimlinge bewässern wir in dem Wissen, dass sie die Versprechen der Zukunft in sich tragen.

Wir legen Grundmauern, die noch hochgezogen werden müssen.

Wir sind der Sauerteig, dessen Wirkung unsere Möglichkeiten weit übersteigen wird.

Wir können nicht alles tun, – das zu begreifen, gibt uns ein Gefühl der Befreiung.

Dies gibt uns die Möglichkeit, etwas zu tun – und es gut zu tun.

Vielleicht wird nicht alles fertig, aber es ist ein Anfang, ein weiterer Schritt auf dem Weg, eine
Gelegenheit, Gottes Gnade hereinzulassen, um das Werk zu vollenden.

Vermutlich werden wir nie das Endergebnis zu sehen bekommen, aber das ist der Unterschied
zwischen Meister, Handwerker und Handlanger.

Wir sind die Handlanger, nicht die Handwerksmeister,
wir sind die Diener, nicht der Messias.

Wir sind die Propheten einer Zukunft, die uns nicht gehört.

(Mgr. Oscar Romero – WBCA)

Impuls der Woche 09.08.20 bis 15.8.20

SOMMERSEGEN SONNE, REGEN UND ERDE

Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes,
Licht um dich her und innen in deinem Herzen.
Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz,
bis es zu glühen beginnt wie ein großes Torffeuer –
und der Fremde tritt näher, um sich daran zu wärmen.

Aus deinem Augen strahle gesegnetes Licht,
wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses,
die den Wanderer locken,
Schutz zu suchen dort drinnen vor der stürmischen Nacht.

Wen du auch triffst, wenn du über die Straße gehst –
ein freundlicher Blick von dir möge ihn treffen.

Und der gesegnete Regen,
der köstliche, sanfte Regen
ströme auf dich herab.

Die kleinen Blumen mögen zu blühen beginnen,
und ihren köstlichen Duft ausbreiten, wo immer du gehst.

Der Segen der Erde,
der guten, der reichen Erde sei für dich da.
Weich sei die Erde dir, wenn du auf ihr ruhst,
müde am Ende des Tages,
und leicht ruhe die Erde auf dir am Ende des Lebens,
dass du sie schnell abschütteln kannst –
und auf und davon auf deinem Wege zu Gott.

Irischer Reisesegen

Impuls der Woche 02.08.2020 bis 08.08.2020

Ich glaube an den Heiligen Geist!

Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.

Ich glaube an den Heiligen Geist!

Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.

Ich glaube an den Heiligen Geist!

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

Ich glaube an den Heiligen Geist!

Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch denselben Geist,
die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,

einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft, einem anderen - immer in dem einen Geist - die Gabe,
Krankheiten zu heilen,

einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken, einem anderen prophetisches Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.

Ich glaube an den Heiligen Geist!

Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

(nach 1. Korinther 12)

Impuls der Woche 26.07.2020 bis 01.08.2020

Was meine Kirche ausblendet …

Die letzte Instruktion aus Rom scheint die Bedürfnisse und Anforderung einer veränderten Welt und Kirche nicht zu brauchen, bzw. diese werden einfach ausgeblendet.

Schaue ich auf das II.Vat. Konzil: In der Kirchenkonstitution Lumen gentium wird im ersten Kapitel der Auftrag der Kirche beschrieben. Sie ist Werkzeug Gottes, sie weist auf seine Wirklichkeit der Liebe zu allen Menschen hin. Sie hat den Auftrag, Gottes Heil der Welt sichtbar und glaubbar dazustellen in Verkündigung, in der Feier des Glaubens und in gelebter Nächstenliebe. Im zweiten Kapitel wird angezeigt, wer diesen Auftrag bezeugt: es ist das Bild des Volkes Gottes, das das gemeinsame Priestertum aller Getauften als Merkmal aufweist. Es ist ein Perspektivwechsel. Erst im dritten Kapitel kommt das Amt in den Blick. Und da geht es zunächst um das Bischofsamt. Das Kollegium der Bischöfe führt zusammen mit dem Papst die ‚Leitungs- und Lehrgewalt‘ aus. Wie die Idee der kollegialen Leitung genau aussehen kann, beschreibt das Dokument nicht. Hier ist anscheinend in den Jahren nach dem Konzil nicht gearbeitet worden.

Festzuhalten ist: Es geht zunächst um den Auftrag und Inhalt der Kirche

Wer diesen Auftrag ausführt und darstellt ist das Volk Gottes

Erst im dritten Kapitel werden die Dienste beschrieben, die dem Volk zugeordnet sind. Die Dienste haben deshalb den Sinn, Wesen und Gestalt der Kirche zu unterstützen und mit abzubilden.

Und dann geht es primär um die Gestaltung und die Praxis des Bischofsamtes. Dass hier nicht immer alle gleicher Meinung sind, ist verständlich. Dass Bischöfe jedoch ihre Gestaltungsmöglichkeiten an Rom abgeben, ist schon befremdlich.

Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes beschreibt den Auftrag und die Kraft der Kirche für diese Welt: Trauer und Hoffnung, Freude und Leid der Menschen dieser Zeit, sind Trauer und Hoffnung, Freude und Leid der Jünger*innen Jesus Christi. In der Zeit der Pandemie hat die Kirche in Deutschland deutlich gemerkt, dass sie gesellschaftlich nicht von beeindruckender Bedeutung ist. Die Lifestreams der Gottesdienste ohne Volk waren eher ein Hilferuf der Kirche: Wir sind auch noch da! Das ist nicht der Grundgedanke von Gaudium et spes.

Festzuhalten ist:

Die Frage nach den Ämtern scheint wichtiger zu sein als der Auftrag, den die Kirche für die Welt hat

damit wird die Struktur wichtiger als das Herz

Psychologisch würden wir bei einem Menschen es so beschreiben: es ist ein entpersönlichter Mensch.

Und eine entpersönlichte Kirche braucht die Welt nicht, oder anders gesagt: sie kann mit ihr nichts mehr anfangen.

Und das ist sehr bitter für alle engagierten Christen und Laien in unseren Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen.

 

Glaubensbekenntnis zum Heiligen Geist


Ich glaube an den Heiligen Geist

Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.

Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.

Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.

Ich glaube, dass er mir Fantasie zur Liebe geben kann.

Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.

Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.

Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.

Ich glaube, dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.

Ich glaube, dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.

Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leiden geben kann.

Ich glaube, dass er mir Mitmenschen an die Seite geben kann.

Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann

(Karl Rahner)

Impuls der Woche vom 19.07.2020 bis 25.07.2020

Zuversicht aus Glauben
Gestern habe ich eine Brasilianerin beerdigt, die lange an Krebs gelitten hat. In ihrer Krankheit hatte sie auf das Leben geschaut und jeden Tag intensiv gelebt. Das war nicht erst eine Haltung während ihrer Krankheit, sondern das war die Linie in ihrem Leben. Sie hatte auf das Leben geschaut und wie junge Menschen aus einfachsten Verhältnissen in Brasilien ertüchtigt werden, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Ihr war es wichtig, eine Gesellschaft zusammenzuführen, Menschen gleiche Bedingungen für die Entfaltung des Lebens zu ermöglichen. Das war ein anderes Programm als es führende Verantwortliche dieser Welt tun. Sie hatte für ihre Stärke, Klarheit und Beharrlichkeit einen Anker. Daher an diesem Sonntag das Credo: Zuversicht aus Glauben. Und mit dieser Zuversicht hoffe ich auf den Atem Gottes, für den Frieden und die gleiche Würde aller Menschen entschieden zu leben.

Wir glauben an Gott,
der das Leben erschaffen hat und es als heilig erklärt,
der sich zu uns wendet als Freund und alles mit uns teilt,
der sich vor uns stellt und uns vertritt,
wenn man uns anklagt.
Er widersteht denen, die ihre Hoheit durch Gewalt behaupten;
er schenkt den Armen Würde und Freude.

Wir glauben an Jesus Christus.
Er wurde geboren mitten in unserer Armut.
Er lebte mitten unter uns und war uns in allem gleich.
Er sprach das Wort Gottes aus und hob die Gerechtigkeit aus dem Staub;
er lud uns ein auf seinem Weg und beteiligte uns an seiner Pilgerschaft,
um Menschen zu heilen und ihnen das Evangelium zu sagen.
Unsere Krankheit, unseren Tod und unsere Sünde hat er getragen;
Er beendete den Fluch der Gewalt und lehrte uns den Weg der Versöhnung.
Als der Auferstandene hält er uns fest,
dass wir mit ihm leben,
wie er in ewiger Freude lebt in der Gemeinschaft des Vaters und des Geistes.

Wir glauben an Gottes Heiligen Geist,
der uns Kraft gibt,
der uns tröstet und uns erneuert,
der unsere Ketten löst,
unsere Augen öffnet und uns zur Liebe befreit.
Aus den Menschen aller Völker wirbt er sein Volk.
Durch Glauben, Taufe und Mahl ist er gegenwärtig in unserer Mitte.
Er beschenkt uns mit dem Zeugnis der Mütter und Väter, der Brüder und Schwestern
damit wir Mut und Zuversicht haben.
Er leitet unsere Füße auf den Weg des Friedens
und lehrt uns, unsere Feinde zu lieben.
Er gibt uns ein neues Lied in unseren Mund
und lässt uns morgen die Herrlichkeit Gottes schauen,
das neue Jerusalem, eine Stadt für alle Menschen,
Hoffnung für alle Welt,
ohne Tränen, Leid und Geschrei.

Entnommen aus: Handreichung zur Friedensdekade 1989, - gekürzt -.

Impuls der Woche 12.7.2020 - 18.7.2020

Die Macht und die Liebe

Am Anfang der Zeit war es so: Die Macht und die Liebe wurden als Zwillinge geboren. Ihre Mutter war die Weisheit, ihr Vater der Mut. Die Geschwister wuchsen glücklich miteinander auf, und ihre Eltern hatten Freude an ihnen. Sie waren unzertrennlich und überall, wo sie hinkamen, schenkten sie Leben in Fülle. Sie überraschten die Menschen in ihren Häusern oder auf ihren Straßen und hinterließen glückliche Gesichter. Sie stifteten Frieden zwischen den Parteien und Völkern, sie verteilten die Güter dieser Welt gerecht, sie machten die Armen reich und die Reichen glücklicher. Die Macht und die Liebe waren ein Herz und eine Seele, und wo sie in den Häusern der Menschen Platz fanden, da änderte sich alles zum Guten. So wanderten sie durch die ganze Welt.

Eines Tages begegneten sie auf ihrem Weg dem Neid. Der Neid hatte sich fein herausgeputzt und sah recht stattlich aus. Sein Gewand glitzerte in der Sonne, und sein Geschmeide funkelte nur so im Licht.
Ich sehe dich stets im Schatten der Liebe", sagte der Neid zur Macht. "So kannst du nie etwas werden. Geh mit mir! Da wirst du größer und stärker. Du wirst sehen: Die Menschen werden Dir die Hände und Füße küssen, sie werden Dir schmeicheln und Dir Opfer darbringen, sie werden Dir ihre Seele verkaufen, nur um Dich zu besitzen.“

Die Macht war wie geblendet. Sie dachte eine Weile nach. Dann sagte sie zur Liebe: "Der Neid hat recht. Lass uns für eine Zeit selbständig entwickeln. Keine ist mehr von der anderen abhängig, keine braucht mehr auf die andere Rücksicht nehmen. Ich werde derweil beim Neid in die Lehre gehen. Vielleicht treffen wir uns später einmal wieder."

Ehe die Liebe antworten konnte, waren die Macht und der Neid schon hinter der nächsten Ecke verschwunden. Die Liebe sah noch, wie der Neid der Macht den Vortritt ließ. Ohnmächtig stand nun die Liebe am Wegrand und weinte. Sie erlebte sich schwach und kraftlos ohne die Macht. Sie spürte, wie sie allein nicht leben konnte. Wie ein Schatten legte sich die Angst auf sie, die Angst sich zu verirren, zu verletzen und nicht verstanden zu werden

Die Macht fühlte sich unterdessen frei und ungebunden. Der Neid störte sie nicht, weil er immer einen Schritt zurückblieb und ihr den Vortritt ließ. Die Macht merkte, wie sie größer und größer wurde. Aber mit der Größe wuchs auch ihre Kälte. Es gefiel ihr, wenn sich Menschen vor ihr verkrochen oder ihr alles opferten, um sich mit ihr zu verbinden.

Sie bestieg einen großen Thron und ließ sich über die Köpfe der Menschen tragen. Sie genoss es, umjubelt zu werden. Die Macht hatte die Liebe bald vergessen. Sie umgab sich mit Waffen und Soldaten. Sie raubte den Armen den Frieden und vertrieb sie aus ihrer Heimat. Nur wer ihr die Seele verkaufte, durfte sich in ihrer Nähe aufhalten und sicher fühlen. Hinter ihr aber folgte stets der Neid.

In der Welt wurde nun alles anders. Die Kriege unter den Menschen nahmen an Heftigkeit zu. Die Liebe war zu ohnmächtig um sie zu verhindern. Viele erkannten sie auch nicht wieder und verwechselten sie mit dem Egoismus oder mit der Schwäche. Sie hatte nicht mehr die Kraft, das Böse in die Schranken zu verweisen. Habgier und Gleichgültigkeit wuchsen. Die Natur wurde ausgeplündert und zertreten. Es wurde dunkler und kälter in der Welt. Menschen und Tiere begannen zu frieren. Sie wurden krank und starben einsam dahin.

Da beschloß die Liebe, die Macht zu suchen, und sie machte sich auf, auch wenn der Weg sehr weit war. Eines Tages begegneten sie sich auf einer Kreuzung. Die Macht kam groß und gewaltig daher. Vor ihr und hinter ihr waren Wächter, bis unter die Zähne bewaffnet, die sie beschützen mussten. Die Macht sah dunkel aus. Sie war eingehüllt in einen dicken, schwarzen Mantel. Ihr Gesicht war kaum noch zu sehen. Der Mantel aber war über und über mit Orden behaftet. Rechts und links trug man ihrer Titel, damit die Menschen vor ihr in die Knie gingen.

Die Liebe nahm ihren ganzen Mut und ihre Weisheit zusammen, die sie von ihren Eltern geerbt hatte, und stellte sich der Macht in den Weg. "Du siehst unglücklich aus", sagte die Liebe und blickte der Macht gerade ins Gesicht. "Früher hast Du gestrahlt und warst schön." - "Geh mir aus dem Weg", sagte die Macht, ich kenne dich nicht". - "Erinnerst Du Dich nicht", sagte die Liebe, "wie wir miteinander durch die Welt zogen. Du trugst ein leichtes Kleid, Du konntest tanzen und springen, Du liefst mit mir zu den Menschen, und sie alle nahmen uns mit offenen Armen auf. Wir konnten Frieden stiften, und alle hatten alles gemeinsam. Du warst mit mir mächtig ohne Waffen. Du brauchtest Dich nicht zu schützen, und hinter Dir zog nicht der Neid. Lass uns weiter miteinander ziehen. Schick sie alle weg, die Dich jetzt umgeben und fernhalten von den Menschen und von mir. Auch ich brauche Dich, denn ohne dich bin ich schwach und ohnmächtig. Ohne Dich glauben mir die Menschen nicht. Sie lachen mich aus, verletzen und mißbrauchen mich.“

Während die Liebe diese und andere Worte sprach, wurde der Macht immer wärmer und weil auch die Macht ein Kind der Weisheit und des Mutes war, taute sie langsam auf und wurde kleiner und kleiner, bis sie wieder so groß war wie die Liebe. Da glitt der Mantel von ihrer Schulter, und die Orden zersprangen am Boden. Die Wächter fielen tot um, und die Titel flogen im Wind davon.

Ehe sich die Liebe und Macht versahen, standen sie sich allein gegenüber. Da lachten sie einander zu und fielen sich in die Arme. Der Neid, der die Macht begleitet hatte, war gewichen, und von der Liebe war der Schatten der Angst geflohen.
Seither gehen sie wieder miteinander, die Liebe und die Macht. Und sie sind stark geworden, die beiden. Und wenn Du sie triffst, dann halte sie fest und warte, bis ich komme, damit ich mit euch ziehen kann.
Wilhelm Bruners

Impuls der Woche, 05.07.2020 - 11.07.2020

Wie schwierig es ist, sich in diesen Tagen verständlich zu machen ….

das merken wir, wenn die Coronaschutzverordnung verändert wird ….

das merken wir, wenn Absichtsvereinbarungen geschlossen werden ….

das merken wir, wenn Versprechungen ins Leere gehen …

das merken wir, wenn zu schnell vergessen wird, wie schlimm sich Nationalismen auswirken …

das merken wir, wenn wir uns für Verständigung und Partizipation keine Zeit nehmen ….

das merken wir jeden Tag ….

 

Kommunikationskette nach Konrad Lorenz

 

gedacht

ist noch nicht

gesagt

gesagt

ist noch nicht

gehört

gehört

ist noch nicht

verstanden

verstanden

ist noch nicht

einverstanden

einverstanden

ist noch nicht

behalten

behalten

ist noch nicht

angewendet

angewendet

ist noch nicht

beibehalten

 

 

Um mit den anderen in eine Verständigung zu kommen hilft nur eines:


M Man

M muss

M Menschen

M mögen


Das korrigiert Weltbilder, die Menschen einteilen entsprechend ihrer Herkunft, Position, Sprache und Kultur.
Das Johannesevangelium sagt es noch klarer: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (3,16)

Das wünsche ich allen und so eine Liebe für den Menschen.

Impuls der Woche 28.06.2020 - 04.07.2020

Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ (Johannes 14,1)

Der Kreis Warendorf und der Kreis Gütersloh sind wieder im Lockdown. Das ist für die Kreise nicht schön. Es betrifft auch die Kommunen, die eine geringe Infektionszahl vorweisen. Das ist bedauerlich und ärgerlich. Doch möchte ich hier auch sagen, es ist für einen Gesundheitsminister Laumann nicht einfach ist, eine für alle erträgliche Entscheidung zu treffen.Doch die Reaktionen aus anderen Bundesländern und Kommunen anderer Regionen sind schon sehr befremdlich. Als Bürger des Kreises Warendorf bin ich in der Stadt Münster per Anordnung gehalten, einen Mund und Nasenschutz auch auf offener Straße zu tragen. Damit ist klar, der kommt aus dem Kreis Warendorf. Wenn ich mit meinem Fahrzeug in die Stadt hineinfahre, signalisiert mein Kennzeichen: der ist auch aus Warendorf. Es findet eine Stigmatisierung statt. Bundesländer, sie sind bekannt, geben ein Einreiseverbot aus, außer die Betroffenen sind zuvor auf Corona negativ getestet. Das hat Wirkung: Es gibt bereits Ausladungen gebuchter Urlaube für Familien aus den Kreisen Warendorf und Gütersloh. Sie brauchen sich nicht um einen Test bemühen, die Sachlage ist klar: das sind Aussätzige. Im Mittelalter hatte man diese vor die Tore der Stadt verbannt. Wir leben jedoch im 21. Jahrhundert, oder?? Es gibt auch schon die ersten Fälle in der Stadt Münster, wo Autofahrer mit dem Kennzeichen WAF angegangen werden.Es zeigt mir deutlich: wir haben es noch nicht verstanden, mit Corona zu leben. Wie wäre es, wenn die Bewohner*innen der Stadt Münster sich mit einem Zeichen solidarisieren, eben auch einen Mund- und Nasenschutz zu tragen.Das Sauerland hat eine offene Einladung ausgesprochen, dort Urlaub zu machen, natürlich mit vorheriger Testung – das ist doch selbstverständlich -, doch es bleibt eine Einladung.Wir sollten lernen, mit Corona zu leben. Das bedeutet, Verantwortung zu tragen für ein gesellschaftliches Miteinander!

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“, eine kluge Weisung Jesu.

Ich wünsche dir Augen
Ich wünsche dir Augen,
mit denen du einem Menschen ins Herz
schauen kannst und die nicht blind werden,
aufmerksam zu sein auf das,
was er von dir braucht.

Ich wünsche dir Ohren,
mit denen du auch Zwischentöne
wahrnehmen kannst
und die nicht taub werden beim Horchen
auf das, was das Glück
und die Not des anderen ist.

Ich wünsche dir einen Mund,
der freundlich die Lage benennt,
und der nicht verlegen ist um ein Wort des
Trostes und der Liebe zur rechten Zeit.

Ich wünsche dir Hände,
die mit Gesten Wärme ausstrahlen
und Versöhnung und Zusammenhalt bekräftigen.

Ich wünsche dir Füße, die dich auf den
Weg bringen zu dem,  was wichtig ist,
und die nicht stehen bleiben
vor den Schritten, die entscheidend sind.

Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht
und aufrichtig leben kannst
und das sich nicht beugt vor
Willkür und Angst.

Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind
und das nicht müde wird, Liebe zu üben
und Schuld zu verzeihen.
(Aus: Sapalott, Zeitung der Kath. Arbeiterjugend, Tirol,
aktualisiert Bernd Hante)

 

 

Stellenausschreibung Raumpflege

 

In der Kath. Landvolkshochschule
„Schorlemer Alst“ in
Warendorf-Freckenhorst ist zum
01.05.2021 die Stelle eines/r Mitarbeiters/in (m/w/d)
im Bereich der

                  Raumpflege

zu besetzen. Die Stelle hat einen Umfang von 19,5 Wochenstunden
und ist zunächst befristet auf 1,5 Jahre.

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Margret Westmeyer
Ausstellung „Fließende Farben"
Ausstellung vom 28.10.20 -18.03.21

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